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NEUIGKEITEN - DETAIL

Impuls von Abt Johannes:
„Wir entfalten Ihre Schönheit!“

26.10.2019

„Wir entfalten Ihre Schönheit!“ Das könnte ein christliches Lebensprojekt sein. Wenn ich einen Menschen ansehe und ihm dadurch Ansehen gebe, wird er schön, meint Abt Johannes Eckert.

Abt Johannes Eckert

„Guten Tag, Frau Schmidt! Gestern habe ich Ihren Mann getroffen, aber er hat mich nicht gesehen!“ „Ja, das hat er mir erzählt!“ Die Anekdote stimmt mich nachdenklich. Wie oft übersehen wir Menschen, um ihnen aus dem Weg zu gehen. Das kann ja seine Gründe haben und doch kann es für den anderen verletzend sein.

Schönheit ist mehr als nur äußere Erscheinung
Es ist interessant, dass unser deutsches Wort „schön“ sich von „sehen“ ableitet. Wenn ich einen Menschen ansehe und ihm dadurch Ansehen gebe, dann wird er dadurch schön. Wenn ich dagegen wegschaue, weil sein Anblick mich stört, dann finde ich ihn nicht schön. Schönheit ist damit mehr als nur die äußere Erscheinungsform.

Durch Ansehen Schönheit entfalten
Vor einiger Zeit kam mir ein Werbezettel von einer Anti-Aging-Agentur in die Hände mit der Aufschrift: „Wir entfalten Ihre Schönheit!“ Das könnte ein christliches Lebensprojekt sein: Durch Ansehen die Schönheit entfalten.

Zachäus und Jesus
Im Evangelium sieht Jesus immer wieder bewusst Menschen an und nimmt ihre Situation sensibel wahr, etwa in der Begegnung mit dem Zöllner Zachäus in Jericho. Jesus sieht ihn im Maulbeerfeigenbaum. Er schenkt ihm Ansehen, indem er ihm zuruft: „Zachäus komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinem Haus bleiben“ (Lk 19,5).

Ansehen führt zu Umkehr und Heilung
Dieses Ansehen führt bei Zachäus zur Umkehr und Heilung. Voll Freude nimmt er, der als Zollpächter wahrscheinlich aufgrund seiner ungerechten Erpressungen von vielen bewusst gemieden wurde, Jesus freudig in sein Haus auf. Doch damit nicht genug: Er verspricht seine Missetaten wieder gut zu machen, indem er seinen Opfern das Vierfache zurückerstattet und die Hälfte seines Vermögens an die Armen gibt.

Durch das Ansehen Jesu, durch seine Zuwendung und sein Interesse, kann Zachäus seine wahre Schönheit entfalten. Die Begegnung motiviert dazu, in sich zu gehen und sich zu fragen:

  • Wo müsste ich neu anfangen?
  • Wo ist mein Ansehen gefragt?
  • Welche Falten möchte ich entfalten?

Mit wachem Blick durch die eigene Gemeinde gehen
In vielen Gemeinden wurde unlängst Kirchweih gefeiert. Vielleicht könnte uns dieses Fest dazu motivieren, mit einem wachen Blick durch die eigene Gemeinde zu gehen und der Entfaltung zu dienen.

  • Wem könnte ein Kompliment gut tun, weil er sich z.B. als Messner treu um die Kirche sorgt?
  • Wer freut sich über ein Wort der Anerkennung, weil sie oder er sich bei der Erstkommunion- oder Firmvorbereitung einbringen?
  • Über wen kann ich ein gutes Wort verlieren, weil sie sich im sozialen Helferkreis oder bei der Hausaufgabenbetreuung engagieren?
  • Wem könnte ich Ansehen schenken, weil sie am Rand stehen und häufig übersehen werden?

Wir entfalten Ihre Schönheit. Entfaltung ist schön, weil das, was in uns steckt und angelegt ist, sich entwickeln, wachsen und Frucht bringen darf. Manchmal genügt dazu schon ein freundlicher Blick, ein wohlwollendes Augenzwinkern.

(Der Text ist zuerst erschienen in der Münchner Kirchenzeitung am 20. Oktober 2019)