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NEUIGKEITEN - DETAIL

Impuls von Abt Johannes:
„Jesus - Überraschend anders“

13.02.2020

„Oh Christ lerne tanzen, dass die Menschen von heute etwas mit Dir anfangen können“

Abt Johannes Eckert

Jesus ist überraschend anders 

„Überraschend anders“ so lautet der Slogan eines Unternehmens. Anscheinend muss es gewisse Vorurteile geben, die es abzubauen gilt, so dass damit geworben wird, dass die Produkte und Dienstleistungen überraschend anders seien. „Überraschend anders“ ist auch Jesus für seine Zeitgenossen, wenn ihm vorgeworfen wird, dass er ein Fresser und Säufer ist (vgl. Mt 11,19).

Er durchbricht unsere Vorstellungen

Im Unterschied zum Täufer Johannes ist er kein asketischer Typ, sondern wird als Lebemensch wahrgenommen, der gerne feiert und, so der Vorwurf, der als Freund der Zöllner und Sünder alles mitnimmt, was er bekommen kann. Was aber bedeutet das für uns? Jesus ist überraschend anders. Er durchbricht immer wieder unsere vorgefertigten Vorstellungen und Meinungen, wie Gott zu sein hat.

Nicht nur im Gottesdienst

Kann ich mir vorstellen, dass er bei einer ausgelassenen Party zu finden ist, dort tanzt und mittrinkt? Kann ich mich darauf einlassen, dass er sich nicht nur in der Wüste aufhält oder bei stimmungsvollen Gottesdiensten uns nahe kommt, sondern auch in einem Freizeitpark, wo Familien Spaß haben, oder in einem Fitnesscenter, wo Menschen etwas für ihre Beweglichkeit tun?

Jesus als Breakdancer

Jesus ist überraschend anders. Daher hält er seinen Zeitgenossen und damit uns vor: „Wir haben Hochzeitslieder gespielt und ihr habt nicht getanzt!“ (Mt 11,17) Vor kurzem sah ich ein Bild des britischen Künstlers Cosmo Sarson. Zu sehen ist ein prächtiger Saal im Vatikan. Kardinäle und Bischöfe stehen in einem Halbkreis um einen jungen Mann, einem Breakdancer, der in ihrer Mitte tanzt. Es ist eindeutig erkennbar, dass es sich dabei um Jesus von Nazareth handelt. Manche Bischöfe klatschen verhalten, manche freundlich, manche verspannt, aber keiner tanzt mit.

Ihr habt nicht getanzt

„Wir haben Hochzeitslieder gespielt und ihr habt nicht getanzt.“ Jesus ist überraschend anders. Was hat das für uns zu bedeuten, für unsere Art, von Jesus zu sprechen, mit ihm Gottesdienste zu feiern, ihn in den Menschen zu suchen und zu begegnen? Sind auch wir überraschend anders, indem wir uns auf seine Beweglichkeit einlassen? Vielleicht sind die kommenden Wochen der Faschingszeit eine Chance, neu tanzen zu lernen, in andere Rollen zu schlüpfen, bzw. im Spaß am Leben und am Feiern etwas zu erahnen vom facettenreichen Geheimnis Gottes.

Lerne tanzen, damit die Menschen von heute etwas mit Dir anfangen können

Ein bekanntes Wort, das dem heiligen Augustinus zugeschrieben wird, lautet: „Oh Mensch lerne tanzen, dass die Engel im Himmel etwas anfangen können.“ Ich möchte dieses Zitat etwas verheutigen: „Oh Christ lerne tanzen, dass die Menschen von heute etwas mit dir anfangen können.“ Wir dürfen dankbar sein, dass sich momentan Vieles in unsere Kirche bewegt. Vielleicht mögen manche Veränderungen uns verunsichern. Mich ermutigt diesen offen zu begegnen, dass Jesus schon damals überraschend anders war und es auch mitten unter uns bleibt.    

(Der Text ist zuerst erschienen in der Münchner Kirchenzeitung am 02. Februar 2020)